Lüchow-Dannenberg

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Welche Schutzausrüstung brauchen Kinder wirklich?

Kinder und Pferde – das ist eine wunderbare Kombination aus Natur, Bewegung und Emotionen. Viele Eltern beobachten, wie ihre Kinder durch den Umgang mit Pferden selbstbewusster werden, Verantwortung übernehmen und echte Freundschaften zu den Tieren entwickeln. Gleichzeitig bleibt ein Thema immer präsent: die Sicherheit. Besonders Einsteiger-Eltern fühlen sich oft überfordert, wenn es um die richtige Schutzausrüstung geht. Braucht man wirklich alles, was im Reitsportkatalog glänzt? Wie viel Schutz ist notwendig – und wo beginnt Übertreibung?

In diesem Artikel werfen wir einen kritischen, aber praktikablen Blick darauf, welche Schutzausrüstung Kinder beim Reiten wirklich brauchen, welche Anschaffungen sinnvoll sind und wo Eltern beruhigt Prioritäten setzen dürfen.

 

Der Einstieg: Warum Sicherheit beim Kinderreiten so wichtig ist

Reiten ist ein Sport mit vielen wundervollen Facetten – aber es ist eben auch ein Sport, bei dem Risiken eine Rolle spielen. Kinder besitzen oft noch kein vollständig ausgebildetes Gleichgewichtsgefühl, reagieren spontaner und unterschätzen Gefahren eher als Erwachsene. Dazu kommt: Auch das bravste Pony kann mal erschrecken.

Darum gilt: Mit der richtigen Schutzausrüstung lassen sich viele Verletzungen vermeiden oder zumindest erheblich abmildern. Gleichzeitig möchten Eltern jedoch nicht unnötig Geld ausgeben für Produkte, die am Ende keinen echten Mehrwert bieten.

 

Der Reithelm – unverzichtbar und alternativlos

Wenn es ein einziges Produkt gibt, das wirklich immer an erster Stelle stehen muss, dann ist es der Reithelm. Kein Fahrradhelm, kein Skatehelm – ein geprüfter Reithelm nach Sicherheitsnorm EN 1384.

Warum ist der Reithelm so wichtig?

  • Kopfverletzungen gehören statistisch zu den heftigsten Verletzungen im Reitsport.

  • Pferde reagieren schnell – ein kurzer Schreck kann reichen.

  • Selbst beim Führen eines Ponys kann ein Stolperer oder Ausrutscher gefährlich werden.

Ein guter Kinderreithelm sitzt angenehm, lässt sich verstellen und wächst im Idealfall mehrere Jahre mit. Eltern sollten darauf achten, dass er nicht wackelt, nicht drückt und eine gute Belüftung bietet – denn Kinder sind ehrlich: Wenn der Helm unbequem ist, wird er nicht getragen.

 

Sicherheitsweste oder Rückenprotektor – sinnvoll, aber nicht immer Pflicht

Dieser Punkt spaltet die Reiterwelt. Manche Ställe verlangen Schutzwesten, andere setzen auf Freiwilligkeit. Im Kern gilt:

Wann eine Weste wirklich sinnvoll ist:

  • Bei Anfänger*innen in der Longenstunde

  • Beim Springen

  • Bei Ausritten

  • Für unsichere oder sehr zarte Kinder

  • Bei jungen Ponys oder Reitbeteiligungen

Westen können Stürze zwar nicht verhindern, aber sie schützen Rücken, Rippen und Wirbelsäule. Moderne Modelle sind flexibel, atmungsaktiv und tragen nicht mehr so auf wie früher. Besonders praktisch für Kinder: Westen mit Klett oder mitwachsenden Segmenten.

Kritische Sicht:

Für rein spielerische Stallzeit, Putzen oder geführte Ponyrunden ist eine Weste oft überdimensioniert. Sie kostet viel Geld, wird schnell zu klein und manche Kinder fühlen sich eingeengt. Eltern sollten also bewusst abwägen.

 

Reitstiefel oder Jodhpurstiefeletten – wichtig für sicheren Halt

Die richtige Fußbekleidung verhindert, dass Kinder in den Steigbügeln hängen bleiben.

Wichtig ist:

  • Absatz von ca. 1,5–2 cm

  • Fester Halt am Knöchel

  • Rutschfeste Sohle

Für den Anfang sind Jodhpurstiefel plus Chaps völlig ausreichend. Teure Lederstiefel sind erst für fortgeschrittene Kinder sinnvoll.

 

Reithosen – Komfort und Sicherheit in einem

Reithosen sind nicht zwingend ein Sicherheitsprodukt, erhöhen aber den Komfort und verhindern, dass Kinder im Sattel scheuern oder rutschen. Für Einsteiger reichen preiswerte Baumwollhosen mit Grip-Einsätzen. Erfahre mehr, was beim Kauf von Reithosen beachtet werden muss. 

Handschuhe – unterschätzt, aber sehr sinnvoll

Vor allem beim Führen oder Longieren schützen Handschuhe vor:

  • Verbrennungen durch durchrutschende Zügel

  • Blasen an den Händen

  • Unsicheren Griff, besonders bei kleinen Händen

Für viele Kinder sind Handschuhe ein kleines, aber wichtiges Sicherheitsdetail.

 

Was ist mit Safety-Steigbügeln?

Safety-Steigbügel oder Sicherheitsriemen verhindern das gefährliche „Hängenbleiben“ beim Sturz. Sie sind tatsächlich eine sinnvolle Investition, aber in vielen Reitschulen bereits Standard. Eltern müssen hier selten selbst aktiv werden.

 

Und was ist überflüssig? Ein kritischer Blick

Eltern möchten oft „alles richtig machen“ – und kaufen dann Dinge, die am Ende kaum genutzt werden. Dazu gehören:

  • Reitjacken mit Protektoren, wenn bereits eine Sicherheitsweste getragen wird

  • Sehr teure Markenreithosen für Anfänger

  • Turnieroutfits, bevor überhaupt feststeht, dass das Kind langfristig reitet

  • Gamaschen oder Bandagen fürs Pferd – schön, aber für Anfänger irrelevant

Gerade zu Beginn ist weniger oft mehr. Statt alles neu zu kaufen, lohnt sich ein Blick auf Second-Hand-Angebote oder Tauschbörsen im Stall.

 

Erfahrungen aus dem Alltag – Was wirklich zählt

Viele Familien erzählen, dass die größte Herausforderung nicht die Anschaffung, sondern die Konsequenz im Alltag ist: Helme immer wieder korrekt einstellen, Westen schließen, Handschuhe nicht vergessen – und dabei ruhig bleiben, auch wenn die Kinder mal keine Lust auf „so viel Anziehen“ haben.

Erfahrene Reitlehrer*innen betonen:

  • Kinder lernen schnell, wenn die Regeln klar und freundlich kommuniziert werden.

  • Eine gute Ausrüstung ist wichtig – aber ruhige Erwachsene und ein pferdefreundlicher Umgang sind noch wichtiger.

  • Sicherheit beginnt bereits am Boden: respektvoller Umgang, Abstand halten, keine hektischen Bewegungen.

Viele Eltern berichten, dass sich ihre Kinder wohler fühlen, wenn sie genau verstehen, warum ein Helm oder eine Weste getragen wird. Also lieber erklären und einbinden statt „Du musst das jetzt!“.

 

Fazit: Sicherheit ja – aber bitte praktikabel und kindgerecht

Kinder brauchen beim Reiten nicht den kompletten Profi-Look. Was sie wirklich brauchen, ist eine gut passende Grundausstattung, die Kopf, Rücken und Füße schützt – und Eltern, die Sicherheit konsequent, aber entspannt vorleben.

Die drei Must-haves sind klar:

  1. Reithelm

  2. Geeignete Schuhe mit Absatz

  3. Bequeme Kleidung, idealerweise Reithose

Eine Sicherheitsweste ist in vielen Fällen sehr sinnvoll, aber nicht zwingend bei jeder Aktivität. Alles weitere darf nach und nach kommen – abhängig davon, wie intensiv und regelmäßig das Kind reitet.

So bleibt der Reitsport ein Ort, an dem Kinder wachsen dürfen: mit Respekt, Freude und gutem Schutz.

 

FAQ – Häufige Fragen zur Schutzausrüstung für Kinder

Brauchen Kinder beim Ponyführen schon einen Helm?

Ja. Auch am Boden kann ein Pferd stolpern oder sich erschrecken. Ein Helm ist immer sinnvoll.

Ab welchem Alter lohnt sich eine Sicherheitsweste?

Sinnvoll ab der ersten Longenstunde oder bei unsicheren Reitkindern. Für ganz kleine Kinder kann sie jedoch unbequem sein.

Kann mein Kind zuerst mit Sneakers reiten?

Nein. Das Risiko, mit der Sohle im Steigbügel hängen zu bleiben, ist zu hoch.

Reichen gebrauchte Helme?

Lieber nicht. Helme sollten unfallfrei sein und keine Schäden aufweisen – die Historie kennt man bei gebrauchten Modellen selten.

Wie viel kostet die Grundausrüstung?

Zwischen 120–250 Euro, abhängig von Qualität und Neu-/Gebrauchtkauf.